Das Band des lebendigen Glaubens

Christus selbst ist die einzige Quelle des Lebens und der Segnung für die Seele. „Wer den Sohn hat, hat das Leben". Außer Christus — getrennt von Ihm gibt es kein ewiges Leben für die Seele. „Und dies ist das Zeugnis, daß Gott uns das ewige Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in seinem Sohne" (1. Joh 5, 11). Er ist die Quelle, und der Glaube kommt zu Ihm. Es muß mittels des Glaubens eine persönliche Berührung zwischen dem toten Sünder und dem lebendigen Erretter stattfinden. Ohne dies gibt es kein Leben. „Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm" (1. Kor 6, 17). Wenn es auch nur der Saum Seines Kleides ist, der berührt wird, aber Er muß im Glauben berührt werden, und diese Berührung des Glaubens ist augenblickliches, ewiges Leben für die Seele, (Mt 9; Mk 5; Luk 8).

Die Menge drückte und drängte Jesus; aber keine himmlische Kraft ging von Ihm auf sie aus. In dem neugierigen Haufen war keine Handlung des Glaubens. Es war weder der Glaube, noch ein gefühltes Bedürfnis, das sie zu Ihm führte. Aber in dem Augenblick, wo der Finger des Glaubens den Saum Seines Kleides berührte, sagte Jesus: „Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe erkannt, daß Kraft von mir ausgegangen ist". „Als die Frau aber sah, daß sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd; und sie fiel vor ihm nieder, und verkündete vor dem ganzen Volke, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt habe, und wie sie alsbald geheilt worden sei. Er aber sprach zu ihr: „Sei gutes Muts Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt; gehe hin in Frieden". — Dies ist der gnadenreiche und gütige Weg des Herrn mit jedem Sünder, der zu Ihm kommt. Er kommt augenblicklich und vollkommen ihrem Bedürfnis entgegen. Jene Frau kam auf dem rechten Wege, dem Wege des Glaubens. Sie glaubte, daß ihre Krankheit unheilbar sei, ausgenommen in Seiner Hand. Sie hatte viel erlitten von vielen Ärzten und hatte alle ihre Habe verwendet und keinen Nutzen davon gehabt, sondern es war vielmehr schlimmer geworden. Welch ein treues Gemälde von der traurigen Lage eines Sünders! So kam sie zu Jesu im tiefen Gefühl ihrer Not, ihrer Armut und Hoffnungslosigkeit, und der gänzlichen Wertlosigkeit aller menschlichen Hilfe. Alle menschlichen Heilmittel hatten bei ihr nicht gewirkt; jede Quelle war versiegt, außer der ewig fließenden Quelle der erlösenden Liebe. Und mit all ihrem ungelinderten Leid kam sie im Glauben zu Jesu. „Denn sie sagte zu sich selbst: Wenn ich auch nur sein Kleid anrühre, so werde ich geheilt werden". Welch ein kostbarer Glaube! und sie wurde nicht getäuscht. Und wer ist wohl jemals getäuscht worden, wenn er im Glauben zu Jesu kam? Kein einziger! „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinauswerfen" (Joh 6, 57).

 Und nun betrachte einmal, teurer Leser, die wunderbare Gnade, die in Seinen zärtlichen Worten der betrübten Frau entgegentritt. Zuerst nennt er sie „Tochter"; Er will damit sagen: Wir sind jetzt innig verbunden, wir sind verwandt, sind von einer Familie, haben einen Vater, eine Hoffnung und eine Heimat. „Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem, um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen". „Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus"? (Hebr 2, n; Röm 8, 55). Dann sagt Er zu ihr: „Sei gutes Mutes"! Empfange, genieße allen Trost, der daraus entspringt, am Körper geheilt und ein Kind Gottes zu sein durch den Glauben an Jesum Christum. 0 welch ein Fülle von Trost enthalten diese Worte, indem sie von den Lippen Jesu kommen! Welch eine tiefe Quelle von nie endender Seligkeit! Er fügt dann hinzu: „Dein Glaube hat dich geheilt". Der Glaube bringt die Seele zu Christo, dem wahren Arzt. Er allein hat den „Balsam von Gilead"; Er allein kann die Gesundheit der Tochter Seines Volkes erneuern (Jer 8, 25). Aber welch eine Gnade von selten des Herrn, zu sagen: „Dein Glaube hat Dich geheilt", wenn Er Selbst alles getan hat. Gewiß, aber es liegt darin eine tiefe praktische Wahrheit. Die heilende Kraft war in Ihm, aber der Glaube war der göttliche Weg, auf dem die Frau sich in ihren Besitz setzte. Die unausforschlichen Reichtümer Christi sind dem Glauben geöffnet, jeder Quell der heilenden Kraft in dem Heilande erschließt sich seiner Berührung, er löst die Riegel der ganzen Schatzkammer Gottes. Christus hat wirklich das ganze Werk vollbracht. 

Das große Werk der Versöhnung und der Erlösung durch Sein Blut ist auf dem Kreuze erfüllt und für immer beendet. Der Mensch aber ist nicht eher gerettet, besitzt nicht eher das *******als bis er an Christum glaubt. Daher ist die große Lehre der ganzen Schrift über diesen Punkt, daß wir „gerechtfertigt sind durch Glauben". „Diesem geben alle Propheten Zeugnis, daß jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen" (Apg 10, 45). Der Glaube empfängt Christum und verbindet die Seele mit Ihm, Der die Quelle aller Segnungen ist. Aber keine Segnung wird uns zuteil, bis wir Ihn empfangen haben durch Glauben, mittels der belebenden Kraft des Heiligen Geistes, durch die Wahrheit des Evangeliums. Die arme Frau wurde nur „immer schlimmer", bis sie zu Jesu kam. Und so geht es jedem Sohn und jeder Tochter Adams. Es gibt kein geistiges Leben, keine Gesundheit oder Segnung, ausgenommen in Ihm. Die Seele muß sterben, die keine Verbindung mit Ihm hat. Jene Frau war wirklich in der Lage des Todes, als sie die Hand des lebendigen Glaubens ausstreckte. Das verbindende Band zwischen dem Sünder und dem Heiland" ist der Glaube an Ihn. Daher die unaussprechliche Bedeutung der Frage: „Glaubst du an den Sohn Gottes'"? Vergebung, Rechtfertigung, Errettung empfangen wir in dem Augenblick, in dem wir in Seiner Gegenwart antworten können: „Herr, ich glaube" (Joh 9, 55—58). „Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen". „Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade" (Kol 1, 19; Joh 1. 16).
Er schließt mit den Worten: „Gehe hin in Frieden". Alles ist jetzt in Ordnung gebracht und das für immer „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum".
Die Quelle ihrer Krankheit war versiegt. Gott rottet die Sünde aus mit Wurzel und Stamm. Sie hatte einen festen Grund des Friedens in den kostbaren Worten Jesu. Nichts weiter war nötig, als Seine eigenen Worte, Worte der süßesten Gnade: „Sei gutes Mutes, Tochter, dein Glaube hat dich geheilt, gehe hin in Frieden". 0 welch eine Fülle, welche Tiefe, und welche Bestimmtheit liegt in diesen Worten! Nichts scheint ausgelassen zu sein, das nötig ist, um einer Seele wahre Freude, guten Trost, vollkommene Ruhe und festen Frieden zu geben. Und Der Herr Selbst ladet freundlich ein: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben"!
Aus Lebenshilfe: Christ und Buch.de 

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